Die christliche Gemeinde - Realität oder Illusion?

Die außerordentliche Vielzahl heute existierender Kirchen oder christlicher Gemeinden, ob evangelisch, freikirchlich, katholisch, oder wie auch immer bezeichnet, ist für viele verwirrend und führt zu Abgrenzungen und Gruppenbildung innerhalb der sogenannten Christenheit. Christen aber sollten gerade durch ihre Einheit Andersdenkende überzeugen! (Joh 17,21)

In der Bibel ist von nur einer einzigen Kirche (griech. Ekklesia = Kirche, Gemeinde oder Versammlung) die Rede. Jeder wahre Christ (jemand, der "von neuem geboren ist" (Joh 3,3)) gehört dieser Kirche an, welche in der Bibel mit einem menschlichen Leib (Körper) verglichen wird. Mit diesem Bild wird die Einheit und die Gemeinschaft, welche Christen auszeichnen sollte, eindrucksvoll illustriert. "Denn in einem Geist sind wir auch zu einem Leib getauft worden." (1. Kor. 12,13). Christen, die sich allein an der Bibel orientieren möchten, fühlen sich dieser einen Kirche zugehörig und sie können an ihrem Wohnort davon Zeugnis geben, indem sie sich dort regelmäßig so versammeln, wie es in der Bibel gezeigt wird (Beispiel: Gemeinde in Korinth, 1. Kor. 12,27). Sie brauchen keine Zusatzbenennung, um sich von ihren Mitchristen zu unterscheiden. In der Anfangszeit des Christentums war es jedenfalls so. Es wurden damals u. a. Briefe an die Versammlung in Korinth, in Ephesus, in Philippi gesandt, und es gab in jedem dieser Orte nur eine in Frage kommende "Adresse". Keine der zu Beginn des Christentums bestehenden Gemeinden legte sich einen besonderen Namen zu. (Selbst die Bezeichnung "Christen" stammte von Außenstehenden) (Apostelg. 11,26).

Auch heute kann Dich und mich niemand daran hindern, so wie die ersten christlichen Gemeinden zusammenzukommen. Niemand zwingt Dich, mehr zu organisieren, als Ort und Zeitpunkt des Zusammenkommens festzulegen. Wir finden in den Gemeinden des Anfangs niemand mit einem besonderen Status, (wie Pfarrer, Prediger, Gemeindeleiter). (Es gab anfangs lediglich Älteste, welche auf Anweisung der Apostel eingesetzt wurden.) Eine nach menschlichen Gesichtspunkten festgelegte Hierarchie in einer Gemeinde, oder ein zuvor erstelltes, den Ablauf einer Gemeindestunde bestimmendes Programm schränken die Wirkung des uns gegebenen Heiligen Geistes während der Zusammenkünfte ein. In einer Gemeindestunde sollte kein "Programmablauf" stattfinden, sondern uneingeschränktes Wirken des Heiligen Geistes Realität sein. Wenn dies so ist, kann es von jedem Anwesenden "erlebt" werden (1.Kor. 12,11).

Jesus Christus selbst identifiziert sich mit solch einem "unorganisierten" Zusammenkommen. Er sagt: "Da, wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in der Mitte" (Matth. 18,20). Da, wo der Herr Jesus Christus Mittelpunkt ist, tritt alles "Menschliche" in den Hintergrund.

Welche speziellen Vorbereitungen werden für ein Zusammenkommen benötigt, wo der Herr Jesus selbst in der Mitte ist? (Allerdings sollten Christen immer, also auch in der Gemeinde, so "vorbereitet" sein, daß der Herr sie gebrauchen kann.) Bei solch einem Zusammenkommen wird jeder, der zu diesem Zeitpunkt zum Dienst in der Gemeinde bereit ist, durch den Heiligen Geist geleitet, so gebraucht, wie es die jeweils aktuelle Situation erfordert.

Was ist es nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommet, so hat ein jeder [von euch] einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Sprache, hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung (1.Ko 14,26).

Alles dieses aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere austeilend, wie er will (1.Ko 12,11).

Fragen wir uns, kann es angesichts der Gegenwart des Herrn Rangunterschiede bei den Versammelten geben? Erkennt man Ihn als Autorität an, oder schafft man sich selbst Autoritäten in der Gemeinde? Jesus Christus allein hat Autorität, denn Er ist als Haupt über alles der Versammlung gegeben (Eph. 1,22).

Jeder ist dem Herrn persönlich verantwortlich. Wenn Er einen Auftrag gibt, sollte man ihn ausführen können, unabhängig von der "Genehmigung" eines anderen Christen (z.B. Pfarrer, Gemeindeleiter). Niemand kann "mehr" sein, als ein Glied am Leib Christi. (Zum Vergleich der menschliche Körper: Kann die Hand dem Fuß Anweisungen erteilen?)

Vergessen wir nie, welchen Preis der Herr gezahlt hat, um uns für sich zu erwerben. (Matt. 13,45-46). Und wenn wir nun als Gemeinde zusammenkommen, möchte er gerne in der Mitte derer sein, für die Er sein Leben gab.

Wie muß es Ihn schmerzen, zu sehen, daß so viele Christen die Autorität, die Er als Haupt der Versammlung hat, so wenig beachten. Jeder in einer Gemeinde muß sich ständig fragen, ob der Herr Jesus noch den ersten Platz einnimmt. In der Gemeinde von Laodicea war dies z. B. nicht der Fall. Der Herr mußte dort - außenstehend - zu jedem persönlich sagen: "Siehe ich stehe an der Tür und klopfe an". (Offb. 3,20).

Kommen wir als Gemeinde so zusammen, daß unser Herr der "Mittelpunkt" des Zusammenkommens ist?

Er hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben (Eph. 5,25). Der Herr Jesus gab sich hin - um die Versammlung zu erwerben. Darum starb er den schmachvollsten Tod.

So sehr hat Er die Versammlung geliebt. Und Du?

Der Herr Jesus sagt: "Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; ..... und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren." (Joh. 14,21).

Nach Seinem Willen zu leben bedeutet geistliches Wachstum. Wenn Du dazu bereit bist, lebst Du mehr und mehr so, wie es Dein Herr für Dich vorgesehen hat, so wie es für Dich am besten ist. Du wirst wahre Freiheit kennenlernen (Jakob. 1,25) und ein Maximum an persönlicher, geistlicher Entfaltung.

... die Wahrheit festhaltend in Liebe, laßt uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus (Eph. 4,15).

2/92 L. Spies

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